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Reisen und Rasten
Reisen und Rasten sind unabdingbar miteinaner verbunden. Das galt
für Reisende am Gotthard stets in besonderem Masse und das tut es
heute noch. Selbst der Gewohnte nimmt die Reise durch den Gotthard
als Übergang wahr, eine Rast ist immer eine Rast vor oder nach dem
Übergang. Deshalb ist die Gotthard Raststätte auch nicht irgendeine
Raststätte an irgendeinem Weg, sondern ein spezieller Ort, der vor oder
nach dem speziellem Ereignis aufgesucht wird. Im Fall des neuen
Hauptgebäudes wird der Reisende angesprochen, der den Gotthard
hinter sich gelassen hat, der nun eingeladen werden soll, hier zu rasten.
Max German
Architekt

Die Gotthardraststätte A2 in Schattdorf liegt im engen Urner Reusstal, umgeben von hohen Gebirgszügen. Da die räumlichen und technischen Verhältnisse dieses Gebäudes nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprachen, beauftragte die Bauherrschaft das Architekturbüro German+ Achermann mit der Planung einer neuen Raststätte.
Der Architekt Max Germann wagte den Versuch die ganz speziellen Ausblicke auf die markanten Bergspitzen der Umgebung gezielt einzufangen und zum Thema des Gebäudes zu machen. Es sollte ein Gebäude entstehen, das durch seine metallene Fassade zugleich Referenzen zum Geschehen auf der Strasse aufnimmt und Bezüge zur metallenen Welt der Fahrzeuge, der Bewegung, der Technik und der Geschwindigkeit schafft.
Im Urner Reusstal können, durch den Föhn bedingt, extreme Windverhältnisse auftreten. Am Standort der Gotthardraststätte sind diese Windlasten besonders gross, können doch Staudrücke von 1.4 kN/m2 auftreten.
Dieser Umstand setzte eine genaue Planung der Unterkonstruktion voraus. Ebenfalls kam der Berechung für die Befestigung der Metallfassade und des Doppelfalzdaches höchste Priorität zu.
Eine grosse Herausforderung stellte das Einteilen der Fassade dar. Die Metallschindeln mussten in den Ecken exakt auf der gleichen Höhe aufeinander treffen. Und das bei einem Gebäudeumfang von
180 m! Diese Aufgabe lösten wir mit Hilfe eines Rotationslasers.


Die Fassade wurde mit farbbeschichteten Aluminiumschindeln, 240x420 mm, bekleidet. Die Materialdicke beträgt 0.7 mm.
Für die ganze Fassade wurden über 12`000 Schindeln gebraucht.
Die Befestigung erfolgte mit Festhaften und rostfreien V2A Rillennägeln, Länge 25 mm. Für alle An- und Abschlüsse verwendeten wir Alu- Rollenblech, Falzqualität und ebenfalls Dicke 0.7 mm.
Diese besteht aus Holzlatten 40x64 mm, die mit Rillennägeln, Länge 90 mm, in die Unterkonstruktion befestigt wurden.
Der Achsabstand beträgt 21 cm.

Der visuell durchlaufende Fassadenknick wurd
mit einer Schattenfuge von 10 mm gebildet.

Bei den Aussenecken wollte der Architekt keine
Eckbleche zeigen und die Schindeln mussten
millimetergenau angeschnitten und abgebogen
werden. Die Schwierigkeit lag insbesondere
darin, die Flucht der Ecken gerade zu halten.

Der Architekt hat die Kraftlinien der
spektakulären und markanten
Berggipfel eingefangen und im
Gebäude zum Thema der Gestaltung
gemacht.
Die Fassade nimmt Bezüge zur metallenen Welt der Fahrzeuge und der Bewegung auf.
Wer das Gebäude betritt, hat sich aber zur Rast entschlossen. Deshalb erscheint das Innere als Kontrast. Hier erwartet ihn eine weiche, entspannte Innenwelt in warmen Farbtönen.
Das Dach wurde im Doppelfalzsystem ausgeführt.
Verwendet wurde Alu- Rollenblech in der Dicke 0.7 mm, Bezeichnung Prefalz Deluxe Delphin.
Die Länge der Blechbahnen betrug ca. 6 m. Zwischen den einzelnen Feldern musste eine Abtreppung in der Höhe von 8.5 cm erstellt werden.
Pascal Bosshard